Krähenpost
Samstag, 26. September 2020

Brötchen backen

Die Brötchen schwitzten dampfend heiß Im Ofen, wo der Brötchenschweiß Als herrlich krosser Duft entwich Und lockend durch die Wohnung schlich. „Steht auf ihr Kinder! Höchste Zeit, Das Frühstück lockt und ist bereit!“ Das schien der Duft sehr leis‘ zu flüstern, Doch er tat es heiß und lüstern.

Allerdings, das sei erwähnt, Fand sich kein Kind, das müde gähnt, Um dann, den Duft im Nasenkolben, Diesem aus dem Bett zu folgen. Vielmehr schnarchte die Familie Um die Wette, ganz in Spiele Nächtlich-warmer Traumbetrachtung Tief versunken. Und Beachtung Fand das köstliche Buffet Aus Eiern, Schinken, Früchten, Tee, Und den erwähnten frischen Schrippen Nicht beim Rest der trägen Sippe.

Bald schon sind die Brötchen gar Herausgeholt und liegen da Im Brotkorb, dampfend, voll Vertrauen Auf den Tod durch starkes Kauen. Bis die volle Männerstimme Ihres Bäckers, nun im Grimme Des geschmähten Romeos schreit: „Zum Frühstück, Leute, es wird Zeit!" Und endlich, fünf Minuten später, Steht der erste Schwerenöter Schlafestrunken in der Tür Und setzt dann an, noch stark verwirrt: „Du Papa, ist ja lieb gemeint, Und ja, es riecht auch toll, wie’s scheint… Nur könnt’st du eins mal bitte checken, Statt uns dauernd aufzuwecken?

Abends weggeh’n ist okay! Da kann man seine Freunde sehn. Was trinken, auch mal mehr, gebongt. Und dann, wenn man nach Hause kommt, Sich in die Küche setzen, zwei Drei Sachen essen, bin dabei… Nur wär’s danach echt cool von Dir INS BETT ZU GEHN! ES IST HALB VIER!

Freitag, 25. September 2020

Neo

Ein neoliberaler Sack Macht Ärger, weil er Ärger hat. Er sagt zur Marktfrau: "Sag mir mal, was ist das, 'neoliberal'?

Sie sagen alle, das sei schlecht. Ich glaub’s zwar nicht, doch ganz in echt Hab ich ja keinen blassen Schimmer Was das ist. Das stört mich immer."

"Ist schon gut". Die Marktfrau spricht, "Die wissen das auch selber nicht. Die merken, dass du irgendwie Ein Arschloch bist. Doch keins wie sie.

Du bist ein Breitarsch in der Welt Der schmalen Ärsche. Eins mit Geld. Sie fragen rum. Und treffen dann Den Menschen, der's erklären kann.

Es sei, sagt er, der Habitus, Der nervt! Und dann der ganze Stuss Von Leistungswillen, Fleiß und Markt, Den man nicht stören darf, wenn's hakt."

"Das leuchtet ein", sagt ihr der Mann "Wie komm ich an den Typen ran, Der solche Analysen trifft? Die sind gesellschaftliches Gift!"

"Oh Mann, weißt du es wirklich nicht?" Die Marktfrau starrt ihm ins Gesicht, "Du hast uns das doch selbst erzählt, Mit PowerPoint! Für sehr viel Geld!

Auf einer Schulung der Partei Warst du für einen Tag dabei!" "Ach stimmt..." Der Mann denkt länger nach "Der Auftrag hat nicht viel gebracht.

Da hab ich mir in einer Nacht Den Scheiß kurz selber ausgedacht. Und wieder, schwups, kaum war’s vorbei, Vergessen. Futsch. Im Einerlei

Meiner Consulting-Gigs verschollen. War halt, was sie hören wollen." "Und, was ist die Konsequenz?" Die Frau ist bleich wie ein Gespenst.

"Ruhig Blut!" Jetzt ist der Mann am Zug. "Ich denk, für heute ist's genug. Doch morgen hab ich noch was frei. Du kannst mich buchen. Jederzeit."