Krähenpost
Sonntag, 11. Oktober 2020

Schlachtplan

Sie kam und sah und blieb. Und da
War ich, der leicht befremdet war
Geschmeichelt zwar und glücklich: Ja!
Doch skeptisch. War der Dame klar
Was hier mit ihr, mit uns geschah?

Es war nicht lang, nicht mal ein Jahr,
Dass wir zusammen wohnten, da
Fragt sie mich "Willst du?" Tja. "Na klar!"
Doch fragte sie natürlich nicht
Konventionell, so ist sie nicht!
Sie hatte alles gut geplant
Und ganz vorzüglich angebahnt
Mit Phantasie und viel Geschick
Das Glück forciert, den Augenblick,
Dass ich beschämt und dankbar war
Und wusste: Jetzt bin ich dran. Klar.
Nicht nur für einen Tag, ein Jahr,
So läuft das nicht. Was hier geschah
War größer, als ich's übersah.
Ich schwor mir: Während wir als Paar
Zusammen sind, da werd ich nicht
Das tun, was Konvention entspricht.

Mit Phantasie und mit Geschick
Werd ich das Glück, den Augenblick,
Forcier'n. So wie's die Liebste tat
So wie sie's stets gehalten hat
Und doch nie aus der Kurve fliegt
Stattdessen kommt und sieht und siegt.
Und dabei stets die alte bleibt
Die Junge. Die nie stehen bleibt
Und mich an ihrer Seite weiß
Wenn sie dem Glück entgegen reist.

Samstag, 10. Oktober 2020

Welten malen

Schau, sagst du, die Hügelkette, wie sie in das Meer abfällt, die Bäume erst, dann Sträucher, Felsen, Sand und ewig graues Wasser.

Schau, sag ich, das Fell des jungen Fuchses, der im Herbst auf einer Lichtung liegt, die Blätter leuchten rot und braun und gelb das Gras.

Schau, sagst du, die Linie bis zum Horizont, und noch dahinter neues Land und Abenteuer und Gebirge, hoch bis in die grauen Regenwolken.

Schau, sag ich, und neben ihm die Mutter, Nase in den Wind, das weiße Fell am Hals, die schwarzen Läufe und die gelben Schlangenaugen.

Schau, sagt eine, die es wissen muss, wie sie sich ihre Welten malen und beständig scheitern.
Schau, sagt einer, der es wissen muss, wie ihre Augen leuchten und sie ihre Ohren spitzen.

Schau.

Freitag, 9. Oktober 2020

Yvonne II

Es lag der Herbst auf Stadt und Land
Und mittendrin im Herbst befand
Yvonne sich mit ihrem Kind
Das sich in ihrem Bauch befind

BEFAND! Ja Himmelkruzifix!
Yvonne heult… So wird das nix!
Yvonne HEULTE! Imperfekt!
Was hat man in dich reingesteckt

An Futter, Bildung, Antriebskraft
Damit‘s der Bub im Leben schafft
Und dann versägt er jämmerlich
Die Tempuswahl im Spottgedicht.

Und überhaupt: Man spottet nicht
Wenn eine Frau zusammenbricht
Die nur zu bald ein Baby kricht
Und sei’s auch nur für ein Gedicht

Denn alle wissen, dass Yvonne
Einst als reiner Reim für Sonne
In des Dichters Schaffen trat.
Ne Schwangerschaft dagegen hatte

Diese Dame nie im Sinn
Gehabt, als sie zum Dichter hin
Geschludert ist und ihn erschossen
Hat. So froh und unverdrossen.

Lange her. Jetzt steht sie da,
Der Körper wohlgerundet. Zwar
Noch immer diesen Schelmenblick
Doch der dreht nicht die Zeit zurück

Zum unbeschwerten Töten alter
Männer, die ist flöten. Halt! Da…
Sagt sie grad „Moment, ich hole…“?
Und hat – schwupps – schon die Pistole

Aus dem letzten Reim zur Hand
Drückt ab. Lacht. Heulte. Und verschwand.

Donnerstag, 8. Oktober 2020

Der Plan

Ich habe eine Auster in der Wanne
Und eine Auster schwimmt bei mir im Klo.
Die Dritte hab ich letztens in 'ne Kanne
Mit Wasser reingelegt. Frag mich nur, wo...

Ich hatte alles lange am Computer
Geplant, wie "Matze und die Muschis" triumphier'n!
Die Charts erobern und mit richtig guter
Musik die Medien und die Massen faszinier'n.

Die Proben liefen gut. Die Austern haben
Gerockt wie Bolle. Hatten’s richtig drauf!
Der Sound: Akut stabil! Ich sah schon Scharen
Von Fans am Schrei'n, die Hallen ausverkauft.

Tja Leute. Und dann kann Corona:
Konzerte abgesagt. CD geknickt
Jetzt sitz ich mit drei Austern in der Wohnung
Ich fühle mich vom Leben echt gefickt.

Mittwoch, 7. Oktober 2020

Hecht

Wer herrscht im See, und das mit Recht?
Der Hecht.

Er hat dem Wels den Pelz verwämst
Dass du ihn nicht mehr wiederkennst
Und hat den Barsch, und hat die Brasse
Harsch am Arsch gefasst
Sie nass gemacht
Die schlaffen Flaschen
Den Forellen, weil sie Welle machten
Dicke Dellen bei- und sie dann umgebracht
Und schließlich, in 'ner schlimmen Schlacht
Die Schleien tot gemacht
Die "Was?!" Genau. Sie werden nicht vermisst...
Im Gegensatz zu den Elritzen
Die in Ritzen sitzen
Und zur Seite flitzen
Wenn Du mal vom Ufer aus ins Wasser pisst
Die, also die Elritzen, hat der Hecht mit kessen Sprüchen und viel Pressen
Aufgefressen
Nur die kapitalsten Karpfen
Und die Mückenlarven
Hat der Hecht zunächst verschont
Damit er nicht alleine wohnt
Und was zu futtern hat

Bis er im Schlamm ein Armengrab
Bekam nach einem einsamen Gefecht
Mit dem Gevatter Tod. Das lief echt schlecht
Zurecht

Dienstag, 6. Oktober 2020

Die Schützes von nebenan

Im Zentrum der Milchstraße
Sitzt eine Quetsche
Die hat einen Schwager
Der neben mir wohnt

Im Zentrum des Schwagers
Erhitzten gefletschte
Vergoldete Brücken
Die Nachbarin schon

Im Zentrum der Nachbarin
Quietschen der Wäsche
Die Spitzen entzückend
Durch dürren Beton

Im Zentrum der Spitzen
Spritzt liebes Gequietsche
Auf goldene Brücken
Dynamisch im Ton

Im Zentrum des Quietschens
Schwitzt glücklich die Quetsche
Galaktische Schwaden
Dem Schwager zum Lohn

Montag, 5. Oktober 2020

Epitaph für eine Wespe

Die Wespe an der Scheibe klebt
Im Grunde so, wie sie gelebt
Hat: Provokant und eher hässlich,
Dabei stets, und das verlässlich,
Störend auf die Art und Weise
Die ich als perfide preise.

„Preise“, ja! Aus Pietät,
Die man wohl stets dem Dichter rät,
Spricht dieser über tote Wesen:
Stets im Guten, nicht im Bösen
Sollte so ein Nekrolog
Gehalten sein, den man vollzog.

Nun denn. Die edle Wespe war
Bestimmt, das glaub ich ganz und gar
In ihrer Wespenhaftigkeit
Unübertroffen. Stets bereit
Zu stehlen, rauben und zu morden
Wozu sie erzogen worden.

Bis sie selbst zum Opfer wurde:
Fenster offen und absurde
Mengen Obst hinter der Scheibe.
Leichte Beute, denkt sie, bleibe
Ich doch gleich für länger da,
Was dann auch ihr Verhängnis war.

Denn summ, schleck, wumms! Die Fliegenklatsche
Saust. Die Wespe wird zu Matsche
(Spätestens beim dritten Mal
Denn vorher bog sie sich vor Qual…)
Stimmt, so ein Ende ist betrüblich
Wenn auch regional recht üblich

Anderswo mag man mit Büchern
Schuhen, Spray und feuchten Tüchern
Ähnliche Erfolge feiern
Hier jedoch besteht man bleiern
Auf die Klatschenvariante.
Wohl auch, weil man sonst nichts kannte.

Klebt sie also an der Scheibe
Wo sie, während ich dies schreibe
Und erzähle, immer noch
Dort festhängt. Wo sie einstmals kroch.
Und ganz vielleicht als Garnitur
Auch kleben bleibt? Ich mein ja nur…

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