Krähenpost
Montag, 19. Oktober 2020

Business

Ich hab zwei Rollen Klopapier
Die schenk ich Dir
Für einen Kuss

Okay, das ist dann kein Geschenk...

Das wär Bestechung. Eingedenk
Des Umstands, dass Du gerade musst
Womöglich Nötigung.
Erpressung?
Nein. Guck's nach. Jedoch ich rate
Besser schnell zu sein
Ich warte
Nur sehr kurz

War das ein Furz?
Oh. Nein?
Oh. Schon?
Zwei Küsse... Inflation.
Tja...
Fein :)

Sonntag, 18. Oktober 2020

Mariner Ordnungsruf

Schau mal, lieber Kabeljau
Dieser Meerjungfrauenklau
Dessen Du Dich nachts befleißigst
Stößt auf Skepsis! Drum reiß dich
Mal zusammen, denn so forsch
Wie Du alter, geiler Dorsch
Schleppt die Nixen in der Gegend
Keiner ab. Des Anstands wegen.

Gut, Du wirst vielleicht entgegnen
Dies geschäh' der Liebe wegen
Die auch zwischen Fisch und Nymphe
Möglich sein soll ohne Schimpfen.
Das entschuldigt nicht, indessen
Dass Du sie stets aufgefressen
Hast, sobald ihr aus der Sicht
Ihrer Eltern wart. So nicht!

Samstag, 17. Oktober 2020

Poetry Slam

Es stieg vor Jahren dann und wann
Ein Dichter aus dem Dichter-Schlamm
Erklomm Podeste oder Bühnen
Die ihm vielversprechend schienen
Und begann auf allen Vieren
Vers für Vers zu deklamieren
Während er (oder auch sie)
An Wuchs gewann. Bis schließlich hie
Und da ein Exemplar erstand
Das man zweibeinig stehend fand
Und das, man stelle sich das vor,
Das Publikum im Chor erkor
Zum Sieger oder Siegerin
Der Herzen. Ach, zum Niederknien!

Dann kam Corona, so ein Pech,
Und alle Bühnen waren wech.
Nur dann und wann schallt noch ein "Aaaah!"
Im Dichter-Schlamm. Das wars dann. Tja.

Freitag, 16. Oktober 2020

Beobachtungen eines Kürbisses vor der Schlachtung

Reden wir heute mal nicht über's Töten
Denn Töten, das tun sie, die Menschen, sie flöten
Ein Liedchen, wenn sie uns die Leiber zerhacken
Wenn sie uns im Ofen zu Matsche verbacken

Denn Töten, das tun sie, wenn sie uns zu Brühe
Und Suppe, Mixed Pickles und Kürbispüree
Und zu Relish verpuppen, doch das ist nicht alles
Sie wuppen auch Folter im Falle des Falles:

Sie foltern die Kühe, die Schweine, die Hähne
Und sterben die doch, übergießt man mit Häme
Die Leiden der Viecher mit farbigen Bildern
Von glücklichen Tieren auf Supermarktschildern

Das wuppen Primaten wie Ficken im Stehn
Und zucken die Schultern: Schuld ist das System!
Das haben Herr Milton und Herr Lafontaine,
Karl Marx, Adam Smith schließlich auch so geseh'n.

Denn erst kommt der Bauch und erst dann die Moral
Hat Brecht schon gesagt. Und er meinte, dass Qual
Voll okay ist, solang man den Arm heben kann
Um zu zeigen: Nicht ich, sondern der da ist dran!

Der hat nämlich mehr, und solange der nicht
Etwas abgibt und anfängt mit seinem Verzicht
Verzichte ich gar nicht, das wär ja auch dumm
Und ungerecht, unsolidarisch(!) und drum

Hab ich Kürbis drei Tage von meinem Regal
Aus gesehen, wie alle zum Tiefkühlregal
Gepilgert sind, und zwischen Pizza und Torten
Das Billigfleisch schon mal für Weihnachten horten

Ich hab mich erkundigt. Wir Kürbisse haben
Ein längeres, besseres Leben im Garten
Als die armen Schweine und anderes Vieh
Nur wissen die's nicht (man sagt's ihnen nie)

Jetzt denkst du vielleicht, ich sei ehrlich empört
Weil das Leiden der and'ren mich irgendwie stört
Iwo! Bist du dumm? Vegetarier? Breit?
Ich langweil mich nur und vertreib mir die Zeit.

Ich lieg auf 'nem Brettchen, daneben das Messer
Der Typ, der mich schlachten wollt, hat was vergessen,
Sich umgedreht, ist dann wohl ausgerutscht, wumms!
Genickbruch. Und mir ist todlangweilig. Bumms.

Donnerstag, 15. Oktober 2020

Corona-Zoo-Haikus

Eine Straßenbahn
Am Eingang zum Streichelzoo
Hustet sie Menschen

Raschelndes Herbstlaub
Riesenschlangen überall
Mit Nasenbären

Samstagvormittag
Husten pampt an der Kasse
Er habe ein Recht

Gähnender Käfig
Orang-Utans im Lockdown
Kicken Kastanien

Sonne, buntes Laub
Frau flieht aus Quarantäne
Zur Streichelwiese

Kindernasenrotz
Besucht das Regenwaldhaus
Roswithas Schal rutscht

Im Giraffenhaus
Oh! und Ah! und ab und zu
Trockener Husten

Laut bellender Horst
Wölfe kriechen irritiert
Aus ihrer Höhle

Ein Kinderspielplatz
Liegt verlassen im Regen
Gedränge im Shop

Regenmäntel und
Popcorngeruch im Bistro
Renate riecht nix

Joscha hat Schnotten!
Gummistiefelgehopse
In Matschepampe

Löwenbrüllen lässt
Menschen zusammenrücken
Irgendwo kichert's

Nachmittagssonne
Scheint auf verwaiste Wege
Zoodirektor keucht

Smartphone im Nebel
Affe kaut tausend Splitter
Von Gorilla Glas

Ein Gutachter stöhnt
Da sind Löcher im Gitter
Geier am Himmel

Frösteln beim Essen
Der kleine Jens rennt kurz los
Die Heizung hochdreh'n

Klirrendes Dunkel
Das grelle Licht der Klinik
Auf Tiergehegen

Mittwoch, 14. Oktober 2020

Fahrender Ritter

Es spielte ein fahrender Ritter
Am Wegesrand eifrig die Zitter.
Sang traurig ein Lied
Das sein Leiden beschrieb:
Er war unmusikalisch - wie bitter!

Dienstag, 13. Oktober 2020

Brehm einmal anders

Ein Frosch ist einmal, schwer besoffen,
Im Sumpf auf einen Storch getroffen.
Hat ihn beschimpft und ihn beleidigt;
Der Storch hat sich nur schwach verteidigt.

Da nahm der Frosch den Adebar
Und fraß ihn auf, mit Haut und Haar.
Worauf er seines Weges schwankte
Und Gott für diesen Happen dankte.

Sein Ende würd‘ ich gern verschweigen
Verfiel er doch 'ner Igeldame.
Und beim Versuch sie zu besteigen
Hat er sich aufgespießt, der Arme.

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